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Deckungsbeitrag

Für Branchen, bei denen der Marktpreis eine feste Größe ist, auf die der (kleine) Anbieter keinen Einfluss hat, ist der Deckungsbeitrag die zentrale Kennziffer für seine Produktionsplanung. Als sogenannter „Mengenanpasser“ bietet er das Produkt an oder weicht auf Alternativen aus, die höheren Deckungsbeitrag versprechen. Welche Bedeutung hat der Deckungsbeitrag aber für Unternehmen, die Auftragsfertigung betreiben, die also Unikate nach Kundenwunsch herstellen?

 

Definition

 

Deckungsbeitragsrechnung ist eine Form einer Teilkostenrechnung. Dabei verzichtet man auf die Erfassung sämtlicher betrieblicher Kosten, sowohl bei der Vor- als auch bei der Nachkalkulation. Unter dem Deckungsbeitrag versteht dabei man im Allgemeinen die Differenz aus dem Preis eines Produktes oder einer Leistung und den bei der Erstellung anfallenden variablen Kosten. Die Deckungsbeiträge aller Leistungen einer Periode dienen zur Abdeckung der in diesem Zeitraum anfallenden Fixkosten und darüber hinaus zur Erzielung eines Gewinns. Nachstehendes Schaubild verdeutlicht den Zusammenhang.

Die Unterscheidung von festen Kosten für die Leistungsbereitschaft und variablen Kosten für die Leistungserstellung ist unbestritten, wenn auch die Abgrenzung diskutabel ist. Unbestritten ist auch die Logik, die hinter dem oben dargestellten Gedankengang und insgesamt hinter einer Teilkostenrechnung steht. Damit wird versucht, die unbestreitbaren Schwächen einer Vollkostenrechnung zu umgehen. Fraglich ist aber die Rolle des Deckungsbeitrags in den unternehmerischen Kalkülen.

 

Spielraum für die Preispolitik

 

Dass mit der Deckungsbeitragsrechnung auch die Suche nach Preisuntergrenzen verbunden ist und damit Preisspielräume nach unten ausgelotet werden, ist wohl der Grund dafür, dass sie in der KLR Bau nicht besprochen und gewürdigt wird. Schließlich sind die herausgebenden Verbände von Baugewerbe und Bauindustrie nicht daran interessiert, preisaggressive Akteure auf den Märkten methodisch zu unterstützen. Und letztlich führt das deckungsbeitragsorientierte Kalkül dazu, dass es besser ist, einen Auftrag mit minimalem Deckungsbeitrag – knapp über den variablen Kosten - zu übernehmen, als auf ihn zu verzichten, vorausgesetzt, es gibt keine bessere Alternative.

 

Dass der mögliche Preis überhaupt etwas mit Kosten zu tun hat, ist durchaus umstritten. Unter dem Schlagwort Pricing wird versucht, den Preisspielraum nach oben auszuloten. Voraussetzung ist eine Unterscheidung des eigenen Angebots vom Wettbewerb. Ansatzpunkte für eine wertsteigernde Profilierung der eigenen Leistungen können sein:

  • Fachlich-substanzielle Qualität der Leistung bzw. des Produkts,
  • Qualität der Prozesse bei Akquise, Leistungserstellung, Abrechnung und Kundenservice,
  • Profilierung des Unternehmens hinsichtlich Kommunikationskultur, Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität (employer branding). 

Deckungsbeitrag in der Baukalkulation

 

In Baugewerbe und Landschaftsbau basiert die Kostenrechnung in erster Linie auf einer Unterscheidung von Einzel- und Gemeinkosten bzw. von Einzelkosten der Teilleistungen (EKT), Baustellengemeinkosten (BGK) und Allgemeinen Geschäftskosten (AGK). Hierbei geht es darum, ob die jeweiligen Kosten bestimmten Leistungen zugeordnet werden können oder nicht.

 

Das deckt sich nur zum Teil mit der Unterscheidung von fixen und variablen Kosten, wobei es um den Kostenverlauf in Abhängigkeit von Beschäftigungsgrad und Auslastung geht. So stecken in den Kosten des Geräteeinsatzes sowohl fixe als auch variable Kosten. Auch bei dem größten Kostenfaktor, den Lohnkosten sind fixe und variable Kostenelemente nicht eindeutig voneinander abzugrenzen. Vereinfachend werden deshalb bei Bauprojekten die EKT meist als variabel, die BGK und AGK als fest angesehen.

 

Im Baubereich wird neben den allgemein verbreiteten Verfahren der Vollkostenrechnung auch eine Deckungsbeitragskalkulation zur Bestimmung der Angebotspreise vorgeschlagen. In der Regel wird aber die Deckungsbeitragsrechnung nur als Parallel- und Kontrollrechnung eingesetzt sowie im Rahmen der Auftrags- und Nachkalkulation.

 

Das OTB-Modul für das Baustellencontrolling bietet dementsprechend den Deckungsbeitrag als eine der zu kontrollierenden Kennzahlen an:

  • in absoluten Werten für die einzelnen Bauprojekte und als kumulierte Werte im Verlauf des Wirtschaftsjahres,
  • als relative Kennzahl, bezogen auf die eingesetzten Baustellenstunden,
  • im Rahmen der sog. Rückwärtskalkulation als Maßstab zur Kontrolle von projektbezogenen Zeitvorgaben (siehe nachstehende Abbildung).

 

Deckungsbeitrag in der Pflanzenproduktion

 

Für den produzierenden Gartenbau liefert das Programm OTB-KG Kalkulationsgrundlagen in Form von Kalkulationslöhnen und Gemeinkostenzuschlägen, bezogen auf Platzzeitwerte. Damit werden Kalkulationen auf Vollkostenbasis unterstützt. Da der typische Produktionsbetrieb als sog. „Mengenanpasser“ sich dem Marktpreis unterordnen muss, herrscht in der gartenbaulichen Betriebslehre das Deckungsbeitragsdenken vor. Bei begrenzten Produktionskapazitäten optimiert man das Anbauprogramm, indem man unter Berücksichtigung von Marktrestriktionen nach einer Kombination von Kulturen sucht, die in der Summe den maximalen Gesamtdeckungsbeitrag verspricht.

 

OTB-KG verzichtet auf eine eigene Lösung zur Anbauoptimierung, beinhaltet aber eine Übungstabelle für Musterkalkulationen, die sowohl eine Teilkosten- als auch eine Vollkostenrechnung vorsieht. Das Ergebnis einer solchen Kalkulation an einem Beispiel aus dem Topfpflanzenbau zeigt dieser Tabellenausschnitt.

 Dabei werden als variable Kosten verrechnet:

  • Direktkosten wie Saat- und Pflanzgut, Substrate usw.,
  • variable Arbeitskosten,
  • produktionsbezogene Heizkosten (mit Hilfe einer integrierten Heizkostentabelle) und
  • Gerätekosten (soweit nicht in den Gemeinkosten erfasst)

Gibt man links in das weiße Eingabefeld den Marktpreis/Stück ein, so errechnet sich der Deckungsbeitrag/Stück. Rechts daneben sieht man das Ergebnis der mit den gleichen Daten erstellten Preiskalkulation auf Basis der Vollkosten.

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