…und wer bestimmt das? Frisch eingetroffen der neueste „Preisatlas Handwerk“, gerade während ich mich mit einem Landschaftsbaubetrieb an die Berechnung seiner Zuschlagssätze und Verrechnungslöhne für das Jahr 2026 mache.
Unter den 40 erfassten Gewerken nimmt der Garten- und Landschaftsbau Rang 31 ein, gemessen an den Stundensätzen. Mit einer marktüblichen Spanne von 45 bis 70 €. Na gut, den bei uns weniger gern gesehenen Hausmeisterservice haben wir auf Distanz gehalten. Das macht ihn andererseits zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber. Aber der Blick nach oben ist schon auch spannend. Da finden wir vor allem die technisch ausgerichteten Gewerke, während die personalintensiveren Dienstleistungen am Ende der Skala stehen. Wir kennen das ja auch innerhalb der eigenen Branche, wenn wir die Stundensätze im Neubau und in der Pflege vergleichen.
Der Preisatlas wird laufend fortgeschrieben und so kann man damit auch die Entwicklung der Löhne, Gehälter und Preise beobachten. Im Kommentar zu dem Zahlenwerk wird der Anstieg der Stundensätze bei wichtigen Gewerken so begründet: „Das Handwerk arbeitet vielerorts am Limit… Volle Auftragsbücher treffen auf fehlende Fachkräfte – und genau diese Spannung treibt zunehmend die Preise.“ Der Marktmechanismus scheint zu funktionieren. Und das Resümee lautet: „Wer weiterhin mit alten Kalkulationssätzen arbeitet, riskiert sinkende Margen und wirtschaftliche Verluste.“
Da fühle ich mich erstmal bestätigt mit meiner Arbeit an der Plankostenrechnung. Aber dennoch bleibt die Ungewissheit, was der Betrieb am Ende zum gemeinsam erarbeiteten Ergebnis sagt. Wie oft hört man dann: „Mit diesen Preisen kann ich mich am Markt nicht blicken lassen.“ Im konkreten Fall sehe ich schon, dass wir die oben genannte 70 Euro-Grenze überschreiten werden. Natürlich bietet sich noch die eine oder andere Stellschraube an, indem man die Gemeinkostenverteilung unter den verschiedenen Arbeitsbereichen oder die Zuschläge zu den verschiedenen Einzelkostenarten variiert. Aber letztlich kann man eine hohe Gemeinkostenbelastung nicht einfach wegzaubern.
Da kommt dann das Instrument der Plankostenrechnung und Preiskalkulation an seine Grenzen. Strategische Überlegungen müssen sich anschließen: Unnötige Kosten einsparen, Abläufe optimieren, Digitalisierung, Außendarstellung, Personalführung und Recruiting verbessern und last but not least: die Kräfte auf diejenigen Leistungsbereiche konzentrieren, die den höchsten Deckungsbeitrag, die höchste Wertschöpfung versprechen. Das wiederum erfahre ich, wenn ich mit den Planungsrechnungen auch Vorgaben für das Baustellencontrolling liefere und zeitnah die Soll-Ist-Vergleiche anstelle.
So schließt sich der Kreis. Die Arbeit an den Zahlen hat zum Ziel,
- Kostentransparenz zu schaffen,
- die Kalkulation an veränderte Kosten und Marktsituation anzupassen,
- Sicherheit zu vermitteln bei Preisverhandlungen und beim Nachweis der Kalkulationsgrundlagen,
- die Leistungen des Unternehmens dorthin zu lenken, wo es nicht nur besonders fachkundig, sondern auch besonders effektiv arbeitet.
Jetzt mache ich mich gestärkt an meine Planung und freue mich auf die Teams-Sitzung am Montag.


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Alex Fonken (Mittwoch, 29 April 2026)
Vielen Dank Herr Ziegler, sehr interessante Entwicklung und Auswertung/Erläuterung durch Sie.
BG
Wolfgang Ziegler (Mittwoch, 29 April 2026 20:28)
Hallo Herr Fonken,
freut mich, dass Sie hier vorbeischauen! Bei Facebook gab es zu den Stundensätzen recht unterschiedliche Kommentare. So soll's doch sein.
Viele Grüße an den Niederrhein!
R TH (Donnerstag, 30 April 2026 16:10)
Danke
Sag ich doch
Die handwerkliche Arbeit ist unterbewertet
Schönes Wochenende